Wicklow Rundreise (8): Sally Gap – Einmal mitten ins Nirgendwo

Die Wicklow Mountains sind ein vielfältiges Terrain. Zahlreiche Berge, mehrheitlich durch rundgeformten Kuppen denn durch steile Bergspitzen geprägt, zeichnen trotz aller Ursprünglichkeit ein verhältnismäßig weiches Landschaftsbild. Wo keine Erhebung thront, da bedecken Moore den Grund und geben der Idylle der Wicklow Mountains ein wechselhaftes Angesicht von grünen Gräsern und Farnen und dem Purpurrot der wilden Heide. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich diese einsame Landschaft der Wicklow Mountains am Sally Gap.

Nüchtern betrachtet ist das Sally Gap in den Wicklow Mountains eine Straßenkreuzung. Nur wenige Straßen durchqueren die Wicklow Mountains und zwei davon, die R 759 von Blessington nach Roundwood und die das Gebirge von Nord nach Süden kreuzende Military Road (R 115), treffen sich am Sally Gap. Für Irland-Reisende auf einer Fahrt durch den Wicklow Mountains National Park ist die Route über die Military Road und durch das Sally Gap Pflicht. Die Straßenverhältnisse sind teilweise schlecht, Straßenschäden streckenweise nur spärlich repariert. Im Winter werden die Straßen oftmals für mehrere Tage gesperrt, da hier oben – das Sally Gap liegt auf ca. 500 m – Eis die Straßen bedecken kann und regelmäßig Autos neben der Straße landen.
Die Military Road durch das Sally Gap
Die landschaftliche Besonderheit des Sally Gap sind die umgebenden Berge, welche hier nicht steil ansteigen und der Umgebung ein Gefühl der Enge geben, sondern die Weitläufigkeit mit der sich die hügelige Heidelandschaft über Kilometer verliert. Dieser Teil der Wicklow Mountains ist völlig unbewohnt und das fast völlige Fehlen von Ruinen zeigt, dass dies auch seit jeher so gewesen ist. Wer sich auf die verlassene Straße am Sally Gap stellt und sich um 360 Grad im Kreis dreht, kann die umliegende Landschaft der Wicklow Mountains in jede Himmelsrichtung überblicken.
Endlose Landschaften erstrecken sich rund um das Sally Gap
Bei neblig-trüben Lichtverhältnissen scheint die Heidelandschaft am Sally Gap endlos und nur die fernen Schatten der Berge im Hintergrund geben irgendeine Form von Kontur. Größenrelationen und Distanzen verschwimmen und ein Gefühl von Schwerelosigkeit stellt sich ein.
Verschwindene Welten im Nebel
An klaren Tagen, besonders in der abendlichen Sommersonne, verwandelt sich das irische Grün rund um das Sally Gap in ein leichtes Gelb-Gold. Zur richtigen Jahreszeit, dem Spätsommer, leuchtet dazu die Heide rötlich an den fernen Berghängen. Ein landschaftliches Farbenspiel der Extraklasse.
Das Abendlicht taucht die Landschaft am Sally Gap in ein Farbenmeer
Die Umgebung des Sally Gap ist Ausgangspunkt für viele Wanderrouten durch die Wicklow Mountains. Die Berge Kippure mit den beiden Seen Lough Bray Upper und Lower, Tonduff, War Hill, Djouce, Luggala und Carrigvoher liegen im Umkreis des Sally Gap und bieten verschiedenen Möglichkeiten von Rundwanderungen, die sog. loop walks.
Luggala in der Ferne. Der Berg ist ein beliebtes Ziel für Wanderer.
Der River Liffey, den meisten in seiner ganzen Pracht aus der Innenstadt von Dublin bekannt, entspringt als kleiner Bach nur wenige Kilometer nordöstlich des Sally Gap. Der populäre See Lough Tay ist von der Kreuzung im Sally Gap aus über die R 759 nur wenige Kilometer entfernt und bietet von der Straße aus einen spektakulären Anblick.
Ob während der Durchreise oder zur näheren Erkundung der Landschaft, das Sally Gap wartet für Irland-Reisende auf ihrem Weg durch die Wicklow Mountains mit vielen kleinen Highlights auf.
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